Reifen wechseln

Wie man recht entspannt seine Reifen runterziehen kann und die Dinger dann auch wieder auf seine Laufräder bekommt, sollte eigentlich zum kleinen 1 mal 1 eines jeden Mountainbikers gehören.

Auch beim Downhill sollte diese Übung sitzen. Egal ob man gerade mitten auf dem Track einen Platten hat und das ganze Flicken muss, oder man noch eben seine Matschreifen draufziehen möchte, das Wechseln sollte so schnell wie möglich von der Hand gehen.
Jeder hat seine eigenen Methoden und Tricks beim Thema Reifen.
Ich möchte euch in diesem Workshop meine Methoden zeigen, vielleicht erspart es ja dem einen oder anderen einige nervige Momente.

Fangen wir mit dem benötigtem Werkzeug an.
Ihr braucht folgende Dinge:
- mindestens 2 Kunststoffreifenheber (ich bevorzuge die Heber von Pedros, günstig und halten auch bei DH Schlappen richtig lange)
-etwas Schmiermittel (einfach etwas Wasser und Spülmittel vermischen)
-eine Luftquelle, am besten ein Kompressor
-Werkzeug zum Ausbau des jeweiligen Laufrades

Wenn ihr euch soweit bewaffnet habt, kanns dann auch schon los gehen.
Als erstes müsst ihr euer Laufrad ausbauen.
Wenn das Rad draußen ist, solltet ihr nach Möglichkeit das gesamte Laufrad putzen. Bei Pannen ist das natürlich schwer möglich aber wenn ihr einen normalen Wechsel durchführen wollt, solltet ihr euch die Zeit nehmen.
Dies hat hauptsächlich zwei Gründe:
Zum einen macht ihr euch dann beim Wechseln nicht mehr als nötig dreckig, hauptsächlich aber könnt ihr so verhindern, dass Dreck und kleine Steinchen aus eurem Reifenprofil ins Felgenbett geraten. Dort könnten vor allem kleine Steinchen euren Schlauch später beschädigen.

Wenn euer Laufrad dann soweit vom gröbsten Dreck befreit ist, könnt ihr auch schon die Luft aus euren Reifen ablassen.
Als nächstes kommen eure Reifenheber zum Einsatz.

Um eure Reifenheber ansetzen zu können, müsst ihr euren Reifen mit der Hand so zur Seite drücken, dass ein Spalt zwischen Felgenring und Reifenbund entsteht.
Um Schäden am Ventil zu vermeiden solltet ihr auf der gegenüberliegenden Seite des Ventils beginnen.

 


Wenn ihr euren Reifen so weit drücken konntet, dass ein Spalt entstanden ist, könnt ihr euren ersten Reifenheber in diesen Spalt einführen.
Der Heber wird zwischen Reifen und Felge eingeklemmt, deshalb könnt ihr nun aufhören, euren Reifen zur Seite zu drücken.

Jetzt drückt ihr den Reifenheber so herunter, dass das Ende, welches nicht zwischen Reifen und Felge klemmt, in eine eurer Speichen eingehängt werden kann.
Je nach dem, welchen Reifenheber ihr verwendet, kann die Einhängvorrichtung eures Heber anderst ausfallen. In meinem Fall ist es die oben zu sehende pfeilförmige Nut.



! Beim Herunterdrücken des Hebels werdet ihr automatisch den ersten Teil eures Reifens über das Felgenhorn ziehen. Ihr solltet unbedingt darauf achten, dass euer Schlauch nicht auch noch miteingeklemmt ist, da dieser sonst beschädigt werden könnte !

Wie schon geschrieben sollte nun der erste kleine Teil eures Reifens über das Felgenhorn gerutscht sein.
Wenn dies der Fall ist, müsst ihr jetzt versuchen euren zweiten Reifenheber neben den ersten Reifenheber in den Spalt zwischen Felge und Reifen zu quetschen.



Jetzt kann es anstrengend werden. Mit dem zweiten Reifenheber fahrt ihr jetzt an der Felge entlang um so den Reifen Stück für Stück von der Felge zu ziehen.
Je nach dem welche Felgen/Reifen Kombination ihr fahrt, kann das wirklich nervig schwer gehen. Vor allem UST Reifen habens richtig in sich!
Wenn ihr es euch ein wenig leichter machen wollt, könnt ihr auch ein wenig von eurem selbst angemischten Schmiermittel auftragen, damit sollte auch der nervigste Reifen aufgeben.

Nach den ersten 10cm - 15cm ist der schwerste Teil geschafft, die Spannung auf dem Reifen sollte abfallen und der Rest erledigt so gut wie von alleine.

Ist der Reifen auf einer Seite komplett von der Felge gelöst, solltet ihr als nächstes den Schlauch entfernen um diesen vor Beschädigungen zu schützen.
Hierfür einfach gegebenen Falls die Überwurfmutter des Ventils abschrauben, das Ventil zu erst aus der Bohrung in der Felge ziehen und anschließend den gesamten Schlauch aus dem Reifen ziehen.

In manchen Fällen kann der Schlauch auch etwas im Reifen oder auch am Felgenring festkleben. Dies passiert meistens wenn ihr im Matsch unterwegs wart und etwas Schmutz und Feuchtigkeit in euer Felgenbett geraten ist.
In diesem Fall einfach etwas stärker am Schlauch ziehen, im Normalfall sollte nichts dabei beschädigt werden.

Sobald der Schlauch draußen ist, seid ihr soweit, den alten Reifen vollends von der Felge zu ziehen.
Im Normalfall sollte der Reifen noch auf einer Seite unter dem Felgenhorn eingeklemmt sein. Um ihn völlig abnhemen zu können, muss er da raus.
Versucht einfach von Hand Druck auf den Reifen auszuüben, er müsste sich ziemlich einfach lösen lassen.

Sobald der Reifen gelöst ist, könnt ihr ihn einfach von der Felge trennen.


Der alte Reifen ist unten, also kanns dann auch schon mit dem neuen losgehen.
Was ihr vor der Montage unbedingt beachten müsst ist, ob euer Reifen eine Laufrichtung besitzt.
Die meisten Reifen auf dem Markt haben eine Laufrichtung.
Die Laufrichtung wird im normalerweise mit einem Pfeil gekennzeichnet.
In meinem Fall haben wir eine Kombination aus dem Wort "Rotation" und einem Pfeil.

Wenn ihr herausgefunden habt, wie der Reifen montiert wird, könnt ihr mit der Montage beginnen.


Zu Beginn setzte ich immer den Schlauch ins Felgenbett. Damit der Schlauch später nicht zwischen Reifen und Felge eingeklemmt werden kann, sollte der Schlauch bereits bei der Montage ganz leicht aufgepumpt sein, so dass er keine Falten mehr werfen kann, die eingeklemmt werden könnten.

Als nächstes stellt ihr euere Kombination aus Laufrad und Schlauch in den neuen Reifen hinein, so wie es auf dem Bild zu erkennen ist.

 


Der nächste Schritt ist dann wieder etwas kniffliger. Jetzt geht es darum die Wulst des Reifens in die Flanken der Felge zu quetschen. 

Da der erste Teil des Arbeitsschrittes ohne die Reifenheber funktioniert, solltet ihr am besten bei eurem Ventil beginnen, damit dieses nicht durch den späteren Einsatz der Reifenheber beschädigt werden kann.

Führt einfach von Hand die Wulst des Reifens in die Flanke der Felge. Auf den ersten Zentimetern geht dieser wie von selbst. Wenn ihr gut dreiviertel des Reifens in die Felgenflanke gezwungen habt, fängt es langsam schon an etwas schwerer zu gehen.

Jetzt kommen eure Reifenheber zum Einsatz, wenn ihr es euch besonders leicht machen wollt, könnt ihr auch hier euer selbstgemischtes Schmiermittel verwenden. 
Setzt eure Reifenheber im Gegensatz zu dem Arbeitsschritt des Demontierens des alten Reifens genau  um 180° gedreht an, und führt sie aufeinander zu, um auch den letzten Teil des Reifens in das Felgenbett zu zwingen.

Sollte der Reifen auf den letzten Zentimetern einfach nicht vollends in die Felgenflanke rutschen wollen, gibt es auch für diesen Fall noch eine Methode etwas Überzeugungsarbeit leisten zu können. Allerdings solltet ihr diesen Arbeitsschritt wirklich nur dann anwenden, wenn nichts anderes mehr geht, da das Risiko den Schlauch oder aber eure Reifenheber zu beschädigen relativ hoch ist.

Der Trick ist es, euren Reifenheber als Hebel zu verwenden um die Wulst des Reifens über das Felgenhorn zu wuchten. Setzt euren Heber wie in dem Bild gezeigt zwischen den überlappenden Reifen und dem Felgenhorn an. Achtet so gut es eben geht darauf, dass ihr nicht auch den Schlauch miteinklemmt.
Wenn ihr den Heber angesetzt habt, müsst ihr ihn nur aufrichten. Das könnte etwas schwer von der Hand gehen, aber der Reifen müsste spätestens jetzt vollends in die Felgenflanke springen.

Jetzt habt ihr es fast geschafft! Ihr müsst den Reifen nur noch ordentlich aufpumpen. Zunächst erst einmal mit einem recht hohen Luftdruck. Ihr könnt gut und gerne 3 bar hineinpumpen. Der Reifen benötigt einen recht hohen Druck, da er nur dann vom Schlauch gleichmäßig in das Felgenbett gedrückt werden kann.
Nicht erschrecken, wenn der Reifen ins Felgenbett springt, macht er dies nicht geräuschlos. Pro Seite "knallt" er einmal. Also solltet ihr solange Pumpen, bis ihr es zwei mal knallen gehört habt. Danach könnt ihr so viel Luft ablassen, bis ihr euren gewünschten Luftdruck erreicht habt.

Ganz am Ende solltet ihr nocheinmal Kontrollieren ob der Reifen auch schön gleichmäßig Sitzt.
Wenn dies der Fall ist, steht eurer nächsten Abfahrt nichts mehr im Weg!


Wie immer, wenn ihr Fragen habt oder es bei eurem Reifenwechsel Schwierigkeiten gibt, könnt ihr euch gerne bei uns melden. Schreibt einfach eine Mail, benutzt das Kontaktformular oder postet in unserer Gruppe auf Facebook.

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