Gewinde reparieren

Zum Glück kommt es nicht oft vor, aber leider passiert es fast jedem einmal: Man montiert etwas und die Schraube dreht plötzlich durch => Das Gewinde ist im Eimer.
Doch was jetzt? Das Bauteil wegschmeißen und ersetzen?

Oft mag das ja gehen, Aber nicht gerade, wenn es die Bremssattelaufnahme an der Gabel ist. Das schmerzt dann doch zu sehr. Doch auch hierfür gibt es eine Lösung: Gewindeeinsätze.
Dabei wird einfach das alte Gewinde aufgebohrt und ein neues eingesetzt. Klingt an sich ganz einfach. Ist es an sich auch, jedoch muss man ein paar Dinge beachten. Welcher Gewindeeinsatz für welches Material? Welcher ist der passende für die Schraube?
Die Antworten versuchen wir euch hier so gut wie möglich nahe zu bringen.

Zuerst einmal braucht ihr folgende Werkzeuge:

  • möglichst eine ebene Fläche, auf der ihr das Bauteil setzen könnt (Tisch)
  • oder: einen Schraubstock, mit dem ihr das Bauteil einspannen könnt.
  • einen Messschieber, damit ihr das Gewinde ausmessen könnt.
  • oder: wenn ihr bereits wisst, dass es eine M6 mit Normalgewinde ist, braucht ihr keinen. Ihr könnt auch im Internet recherchieren.
  • Internet, um nachzuschauen, aus welchem Material das Bauteil ist, in dem ihr ein neues Gewinde einsetzen wollt.
  • oder: wenn ihr bereits wisst, dann bleibt euch auch das erspart.
  • Gewindeeinsatz-Set: z.B. von HeliCoil oder BaerCoil. Hier ist dann alles wichtige drin. Leider etwas kostspielig.
  • Öl zum Schmieren beim Gewindeschneiden (empfehlenswert, aber kein Muss!)
  • Akkuschrauber/Bohrmaschine
  • Winkel oder Geodreieck

Vorteil eines solchen Gewindeeinsatzes is, dass er meist viel verschleißfester und belastbarer ist. Deshalb werden auch im Rennsport sämtliche Gewinde durch HeliCoil Gewindeeinsätze ersetzt.

Nun ans Eingemachte:
Zunächst müsst ihr herausfinden welches Gewinde für die Schraube nötig ist. Nehmt den Messschieber und messt den Durchmesser des Schraubengewindes.
In unserem Beispiel messen wir einen Durchmesser von , mm.

Als nächstes müsst ihr die Steigung messen. Dazu einfach den Abstand zwei nebeneinanderliegenden Gewindespitzen parallel zur Schraube messen.
Somit stellt ihr fest, ob es sich um ein Regelgewinde oder ein Feingewinde handelt.
Hier eine Tabelle zu den Schraubengrößen und ihrer Steigung je nach Gewindeart:

In unserem Beispiel ist es eine M Schraube mit gewinde ( , mm).
Nun müsst ihr den richtigen Gewindeeinsatz auswählen. Hierbei ist der Werkstoff eures Bauteils und die Schraubengröße entscheidend. Für eine M6 Schraube verwendet ihr natürlich den passenden M6 Gewindeeinsatz. Der Werkstoff des Bauteils ist für die Länge des Einsatzes relevant.
Soll der Einsatz in ein Aluminiumteil so solltet ihr einen Einsatz wählen, der mit 2d gekennzeichnet ist. Dies bedeutet, dass die Länge des Einsatzes dem doppelten Durchmesser entspricht. Bei Magnesium empfehle ich mind. 1,5d, wenn nicht sogar auch 2d. Sollte es ein Stahlbauteil sein, so reicht sogar 1d. Bei Titan reicht ebenfalls ein 1d Gewindeeinsatz.
Wenn ihr nicht wisst, um welchen Stoff es sich handelt, dann schaut im Internet nach oder schreibt uns eine Nachricht.

Als nächstes müsst ihr das alte Gewinde entfernen: Also müsst ihr dieses aufbohren.
Jedoch muss auch hier der richtige Bohrer ausgewählt werden, damit der Einsatz später auch passt! Normalerweise sind in den Gewindeeinsatz-Sets auch die passenden Bohrergrößen enthalten. Sollte dies nicht der Fall sein, so könnt ihr hier in der Tabelle nach dem richtigen Bohrerdurchmesser für die jeweilige Gewindegröße schauen.

In unserem Beispiel bohren wir mit einem , mm Bohrer. Achtet darauf, dass ihr nicht tiefer als das ursprüngliche Loch bohrt.
Pustet danach die Späne aus. Tragt dabei am besten eine Schutzbrille. Späne in den Augen sind nicht gerade von Vorteil. Wer hat, nimmt auch einfach die Druckluftpistole.
Jetzt müsst ihr ein Gewinde in die Bohrung schneiden. Nehmt dazu den sogenannten Vorschneider für die passende Größe (steht auf dem Gewindeschneider drauf). Dieser ist mit einem Ring markiert. Setzt diesen in das Gewindeeisen ein. Nun schneidet ihr senkrecht zur Bohrung das Gewinde. Benetzt zunächst den Gewindebohrer mit etwas Öl. Dann verschleißt dieser nicht so schnell.
Nehmt den Winkel oder das Geodreieck zur Hilfe. Ihr müsst penibel darauf achten, dass ihr im richtigen Winkel seid!
Immer wieder den Schneidvorgang unterbrechen und kontrollieren ist das Sicherste. Falls ihr zu Beginn etwas schräg seid, könnt ihr mit etwas Gegendruck neu ansetzen. Seid ihr schon sehr tief und total schräg, dann ist es zu spät zum korrigieren!
Beim Schneidvorgang an sich dreht ihr am besten immer eine Umdrehunng rein und dann eine Viertelumdrehung zurück. Das ist wichtig um den Span zu brechen. Dann einfach wieder eine Umdrehung rein und ein kurzes Stück zurück, eine Umdrehung rein..... Am Ende den Gewindeschneider rausdrehen und das ganze mit dem Hauptschneider (2 Ringe) und dem Nachschneider (kein Ring) wiederholen. Dies müsste ziemlich flott und einfach gehen.

Bei den meisten Gewindeeinsatz-Setzs gibt es für jede Größe lediglich einen Gewindeschneider und nicht einen Vor-, Haupt- und Nachschneider.
Ist dies der Fall bei euch, dann müsst ihr eben nur einmal schneiden. Dabei geht ihr vor, wie mit dem Vorschneider oben erklärt.
Pustet das Gewinde wieder aus.

Glückwunsch! Ihr habt nun ein viel zu großes Gewinde für die Schraube! Viel Spaß damit.
Spaß beiseite:
Als nächstes wird der Drahtgewindeeinsatz eingesetzt. Setzt diesen in die Vorrichtung ein. Ich empfehle euch dazu in die Anleitung aus dem Set nachzuschauen, wie das geht. Ich kann euch das leider nicht allgemein sagen, da es viele verschiedene Vorrichtungen gibt.
Habt ihr den Einsatz in der Eindrehvorrichtung, dreht ihr ihn vorsichtig in das geschnittene Gewinde rein.
Dabei müsst ihr darauf achten, dass ihr diesen Zapfen, der ins Innere des Einsatzes zeigt, nicht ausversehen abbricht, da ihr sonst den Einsatz nicht weiter eindrehen könnt. Falls dies geschehen solte, müsst ihr den Einsatz mit z.B. einer Zange am oberen Ende packen und herausausziehen. Dabei wickelt sich der Draht auf und kann direkt in den Müll wandern.
Dreht den Einsatz weit genug, aber auch nicht zu weit hinein.
Optimal ist es, wenn der Einsatz ungefähr beim zweiten Gewindeeingang des geschnittenen Gewindes beginnt.

Dreht nun in die entgegengesetzte Richtung. Der Gewindeeinsatz sollte dabei im Gewinde bleiben und lediglich die Eindrehvorrichtung sollte sich herausdrehen. So ist es zumindest beim größten Teil der Vorrichtungen.
Am Ende müsst ihr nur noch mit einem Durchschlag den Zapfen abschlagen. Schon seit ihr fertig und habt ein sehr stabiles, neues Gewinde ohne nennenswertes zusätzliches Gewicht und könnt die selbe Schraube verwenden.

Es gibt aber auch Gewindeeinsätze, die wie eine Hülse sind. Wenn ihr euch für solch eine entscheidet, benötigt ihr zusätzlich noch einen Zweikomponentenkleber.
Ihr müsst erneut den richtigen Einsatz zur Schraube wählen, den Außendurchmesser der Hülse messen und ein passenden Loch bohren.
Hülse einkleben, fertig. Vor- und Nachteile kann ich euch nicht nennen, da ich noch nie mit dieser Variante Erfahrungen gemacht habe.

 

Falls ihr noch Fragen habt, schreibt uns doch einfach.

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